Biomethan: ESM bringt Fichtelgas ans Netz

Erstes Projekt zur Dekarbonisierung des Gasnetzes in der Region gestartet – Schulterschluss von Landwirten und Netzbetreiber für sichere Versorgung der Zukunft 

Die Planungen laufen bereits auf Hochtouren: Die Energieversorgung Selb-Marktredwitz GmbH (ESM) und die Fichtelgas GbR haben sich zusammengetan, um Biomethan im Gasnetz verfügbar zu machen. Dazu errichten die Projektpartner Anlagen für die Aufbereitung und die Einspeisung inklusive Transportleitungen. „Die Dekarbonisierung der Energieversorgung ist eine der drängendsten Aufgaben unserer Zeit. Wir müssen als Gesellschaft Energie so erzeugen und nutzen, dass möglichst wenig Treibhausgase entstehen. Durch das Projekt in Marktredwitz steigt der Anteil an Bio-Erdgas in unserem Netz auf einen Schlag“, sagt Mathias Jakob, Geschäftsführer der ESM. Die Fichtelgas GbR hat durch den Schulterschluss mit der ESM frühzeitig Weichen gestellt: In den Biogasanlagen der Landwirte Christian Heuschmann und Christopher Wolfrum aus Wölsau bei Marktredwitz wird seit fast 20 Jahren aus Biomasse Strom erzeugt, mit einer festen Einspeisevergütung. Da dieses Erlösmodell nach 20 Jahren automatisch ausläuft, standen die Energielandwirte vor der Entscheidung über die Zukunft ihres Geschäftsmodells: „Der Aufwand zur Aufbereitung des Biogases zu Biomethan ist deutlich höher als zum Einsatz bei der Stromerzeugung. Dazu braucht es Know-how und Investitionen. In der ESM haben wir den passenden Partner gefunden, mit dem wir das Projekt stemmen wollen“, erläutert Christopher Wolfrum von der Fichtelgas GbR. Die enge Kooperation wird auch am künftig gemeinsam genutzten Grundstück sichtbar: Geplant ist dort der Bau einer Aufbereitungsanlage der Fichtelgas GbR und der Einspeiseanlage der ESM in direkter Nachbarschaft. Dazu haben die Partner bereits Verträge fixiert und zwei Planungsbüros beauftragt. „Wir möchten nicht nur über Partnerschaften und Energiezukunft reden, sondern sie ins echte Leben bringen. Grüne Lösungen zu realisieren ist unser erklärtes Ziel, sowohl als Netzbetreiber als auch als Energielieferant.“, führt Mathias Jakob aus. Insgesamt investieren die Projektpartner an dieser Stelle rund elf Millionen Euro in den kommenden drei Jahren bis zur geplanten Inbetriebnahme. Im Anschluss erfüllt die ESM die im Eckpunktepapier des neuen Gebäudemodernisierungsgesetztes (GMG) geforderte Beimischung an Grüngasanteil im Gasnetz bereits frühzeitig. Künftig werden die Landwirte bis zu 3,2 Millionen Normkubikmeter Biomethan pro Jahr erzeugen, das in das Hochdrucknetz der ESM eingespeist wird. Die Menge an erzeugtem Biomethan entspricht etwa knapp 20 Prozent der Gasmenge, die die ESM jährlich an Kunden vertreibt. „Biomethan stabilisiert die Netzauslastung und unterstützt die Versorgungssicherheit. Wie die aktuelle Lage bei den Speichervorräten zeigt, können wir jeden eigenen erzeugten Kubikmeter Gas im Netz gebrauchen“, betont Mathias Jakob. Fossiles Erdgas muss in Deutschland importiert werden, regenerativ erzeugtes Biomethan ist lokal verfügbar.

Das planen Fichtelgas und ESM

Für die Umsetzung sind nun Ingenieurbüros und Techniker gefragt. Geplant ist, von den beiden Biogasanlagen Rohgasleitungen zu bauen, die in einer Aufbereitungsanlage enden. Dort wird das ankommende Biogas gereinigt und aufbereitet, bis es den gleichen Methangehalt wie fossiles Erdgas hat. „Wir müssen das Rohbiogas auf Erdgasqualität aufbereiten, strenge Gasqualitätsnormen einhalten, kontinuierlich messen, dokumentieren, zertifizieren und Nachhaltigkeitsnachweise führen“, erläutert Landwirt Christian Heuschmann. In der benachbarten Einspeiseanlage wird das ankommende Biomethan nach den strengen Vorgaben der Gaswirtschaft geprüft, weiterverarbeitet und von dort über eine circa einen Kilometer lange Transportleitung in das bestehende Hochdrucknetz der ESM eingespeist. In den Planungsprozess wurde auch die Stadt Marktredwitz früh eingebunden: „Es ist sehr erfreulich, dass hier wirklich alle an einem Strang ziehen“, sagt Christopher Wolfrum. Bis der erste Kubikmeter Gas eingespeist werden kann, steht neben den Planungen für die Infrastruktur noch das Genehmigungsverfahren an.

So wird das Biomethan verfügbar

Mit dem Projekt bringt die ESM künftig aufbereitetes Biomethan in ihr rund 310 Kilometer langes Gasnetz ein. Über dieses Netz versorgt das Unternehmen derzeit fast 11.300 Haushalte und Betriebe in der Region mit jährlich mehr als 211 Millionen Kilowattstunden Gas. Der Einsatz von Biomethan reduziert den Anteil fossiler Energieträger Schritt für Schritt. Die Fichtelgas GbR erarbeitet aktuell Perspektiven für die Biomethan-Vermarktung. Zusammen mit der ESM prüft sie zudem, das bestehende örtliche Nahwärmenetz künftig partnerschaftlich zu versorgen und die bisherige Biogasabwärme durch eine gemeinsam getragene Wärmelösung zu ersetzen. Denn das eingespeiste Biomethan kann rechnerisch verschiedenen Bereichen zugeordnet werden, zum Beispiel der Wärmeversorgung von Unternehmen und Kommunen oder dem Einsatz als klimafreundlicher Kraftstoff. So erhält das Vorhaben eine verlässliche wirtschaftliche Grundlage, während das regional erzeugte Gas dort genutzt wird, wo es besonders viel Kohlendioxid (CO₂) einspart.

Der schnelle Kontakt!